• Einführung

    Warum ist Onlinemobbing so gefährlich?

    cry-vt.gifDer Einsatz von Computer und Handy unterscheidet das Onlinemobbing (auch "Cybermobbing" oder "Cyberbullying") vom direkten Mobbing. Wer im realen Schulalltag gemobbt und verprügelt wurde, hält vielleicht gehässige SMS nicht für so schlimm, doch Cybermobbing-Attacken sind tief verletzend. Weil Handy und Internet zum Leben junger Menschen gehören, sind sie rund um die Uhr den Angriffen ausgeliefert. Und sie wissen: Beleidigende Kommentare, verunglimpfende Bilder und peinliche Videos können noch nach Jahren auftauchen, wenn sie einmal im Netz sind. Da die Betroffenen ihre Peiniger meist nicht kennen und auch nicht wissen, wer sonst noch an den Gemeinheiten beteiligt ist, werden sie unsicher, misstrauisch und im schlimmsten Fall seelisch krank.

    Warum passiert Onlinemobbing so häufig?

    programmer-vt.gifDie heranwachsende Generation verbringt den Großteil ihrer Freizeit online. Anonyme Mobbinghandlungen per Handy oder Internet erfordern nicht viel Mut. Wenig Gefahr droht von Seiten der erwachsenen Bezugspersonen, denen diese Kommunikationsräume fremd sind. Cybermobben vertreibt unangenehme Gefühle wie Langeweile oder Ärger und gibt Mobbern ein angenehmes Gefühl der Macht. Von Unrechtsbewusstsein fehlt jede Spurt, denn man will ja nur einen Spaß machen und denkt nicht darüber nach, was man dem Opfer damit antut. Oder man freut sich gar, wenn es dem Opfer schlecht geht, denn es hat einen irgendwie geärgert. Bestärkt werden Mobber in der Gruppe, in der sie an Ansehen gewinnen, da sie als "cool" gelten. Wer nicht mitmacht, muss befürchten, selber ausgeschlossen und gemobbt zu werden. Das gemeinsame Mobbing stärkt das Gemeinschaftsgefühl.

    Warum gehört das Thema Onlinemobbing in die Schule?

    11-vt.gifIn einer großen Studie des "Bündnis gegen Cybermobbing" zum Thema Online-Mobbing aus dem Jahr 2013, in der 10.000 Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte befragt wurden, wünschte sich die Hälfte der Mobbingopfer mehr Unterstützung durch Schulen. Unsere Schülerinnen und Schüler werden immer häufiger mit Onlinemobbing konfrontiert. 38 Prozent der Jugendlichen in Deutschland zwischen zwölf und 19 Jahren geben an, dass in ihrem Bekanntenkreis schon einmal jemand per Handy oder Internet "fertig gemacht" wurde, sagt die JIM-Jugendstudie 2014 des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest - eine Steigerung von gut 16% gegenüber dem Vorjahr.

  • Schule

    Warum muss jede Schule präventiv tätig werden?

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    Onlinemobbingfälle kommen immer häufiger vor. Gemobbt zu werden ist eine traumatische Erfahrung. Wenn die Umgebung wegschaut und Mobbing-Opfern nicht dabei hilft, sich zu wehren, können Belästigungen über Jahre hinweg andauern. Im konkrekten Fall muss umgehend gezielte Hilfestellung angeboten werden können. Ist eine Schule darauf nicht vorbereitet, steigt die Gefahr unangemessener Reaktionen in Form von Negierung, Verharmlosung, Schuldzuweisungen, zu harten Strafen oder ungeeigneten Maßnahmen. Um Onlinemobbing zu verhindern, hilft nur präventive Arbeit an den Schulen. Ein Verbot von Handy und Internet im Unterricht und in den Pausen reicht nicht, um das Phänomen Cybermobbing zu stoppen. Onlinemobbing ist eine Form von Mobbing und muss auch als solche betrachtet werden.

    Was kann eine Schule zur Vorbeugung tun?

    discuss-vt.gifJede Schule sollte über Strategien verfügen, Cybermobbing durch Aufklärung möglichst zu verhindern bzw. zumindest frühzeitig zu entdecken.

    • Eine Kultur des respektvollen Umgangs und des Vertrauens schaffen.
    • Ansprechpartner für Mobbing-Opfer benennen (z. B. Anti-Mobbing-Beauftragte oder vertrauenswürdige Personen aus dem Kreis der Mitschülerinnen und Mitschüler).
    • Den Begriff Onlinemobbing gemeinsam definieren.
    • Einen Verhaltenskodex erarbeiten und in die Schulordnung aufnehmen (Beispiel: Selbstverpflichtung für Lehrkräfte)
    • Sanktionen benennen (pädagogische Maßnahmen und Ordnungsmaßnahmen, strafrechtliche Folgen für Täter).
    • Schulungen mit Experten durchführen (polizeiliche Präventionsarbeit, Medienpädagog/innen...).
    • Die positive Nutzung digitaler Medien fördern.
    • Informationsmaterialien für Schülerinnen und Schüler auslegen (Beispiele: Infoflyer 1, Infoflyer 2).
    • Das Thema Onlinemobbing in den Unterricht integrieren.
    • Die Schulgemeinde einbeziehen.

    Die Schulleitung spielt eine entscheidende Rolle, denn Mobbing kann am ehesten durch gesamtschulisches, einheitliches Vorgehen verhindert werden. Je transparenter das Thema in der Schule behandelt wird, desto einfacher ist es, damit im konkreten Fall konstruktiv umzugehen.

    Wie soll eine Schule im konkreten Fall reagieren?

    school-vt.gifWird ein Fall von Onlinemobbing bekannt, so muss die Schule unverzüglich reagieren. Jeder Fall sollte aufgeklärt werden. Ins Krisenteam gehört auf jeden Fall ein Mitglied der Schulleitung. Erforderlich sind Erfahrungen mit modernen Kommunikationsmedien und geeigneten Methoden der Konfliktlösung (z. B. des No Blame Approach). Folgende Fragen sollten geklärt werden: Was ist konkret vorgefallen? Welche Personen sind beteiligt? Mit allen sollte gesprochen werden. Im besten Fall wird gemeinsam eine Lösung für den Konflikt gefunden oder eine Wiedergutmachung vereinbart. Bei gravierenden Verstößen gegen der schulischen Verhaltenskodex kann die Schule aus dem Katalog möglicher Sanktionen eine Auswahl treffen. In Fällen wie Beleidigung, Verunglimpfung oder Verletzung von Persönlichkeitsrechten kann das Opfer Strafanzeige bei der Polizei erstatten. Bei Drohungen, Erpressungen und Nötigungen muss auf jeden Fall die Polizei hinzugezogen werden. Die Schulgemeinde sollte über den Fall informiert werden.

  • Unterricht

    Was muss ich als Lehrkraft wissen?

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    Onlinemobbing ist eine gefährliche Spielart des Mobbings. Je mehr ich über Mobbing weiß, desto besser. Es ist empfehlenswert, die Kommunikationswege meiner Schülerinnen und Schüler im Internet nicht nur zu kennen, sondern diese auch einmal persönlich auszuprobieren (z. B. Facebook oder Whatsapp). Ich sollte auch über die möglichen Erscheinungsformen und strafrechtlichen Konsequenzen von Onlinemobbing informiert sein. Im konkreten Fall darf ich ein Schülerhandy einziehen, aber nur mit Einwilligung der Erziehungsberechtigten Einblick in den Inhalt nehmen; bei Verdacht auf eine Straftat wie Drohung, Erpressung oder Nötigung darf das Handy auch ohne deren Einwilligung von der zuständigen Polizeidienststelle untersucht werden. Weitere Informationen zum Thema Handy, Recht und Ordnung.

    Woran erkenne ich, dass eine Schülerin oder ein Schüler gemobbt wird?

    KonfliktIn sehr vielen Fällen merken Lehrkräfte erst etwas, wenn der Konflikt bereits eskaliert ist. Das Klassenklima verschlechtert sich und die Schülerinnen und Schüler begegnen einander unfreundlicher als vorher. Oder Freundschaften zerbrechen und beide Parteien empfinden nur noch Hass- und Rachegefühle füreinander. Ein sehr großes Alarmsignal sind plötzliche Verhaltensänderungen wie die Verschlechterung der Leistung, häufiges Fehlen, Verschlossenheit oder Mutlosigkeit. In Pausen oder auf Schulveranstaltungen lässt sich sehr gut sehen, wer ausgeschlossen ist.

    Was kann ich präventiv im Unterricht tun?

    eager-vt.gifIch kann zu meinen Schülerinnen und Schüler ein gutes Vertrauensverhältnis aufbauen und sie in ihrem Selbstbewusstsein stärken. Wenn mich ihr Verhalten beschäftigt und ich nicht verstehe, warum etwas passiert, frage ich behutsam und beharrlich nach. Mit Hilfe von Schulpsychologin oder Schulsozialarbeiter kann ich das Klassenklima verbessern. Ich kann auf vielfältige Weise die positive Nutzung moderner Medien im Unterricht fördern und Themen des Jugendmedienschutzes in meinen Unterricht integrieren. Ich kann den Schülerinnen und Schüler bewusst machen, was Onlinemobbing ist, dass es ernste Konsequenzen haben kann und dass etwas dagegen getan werden kann.

  • Materialien

    Sie möchten im Unterricht gegen Onlinemobbing sofort aktiv werden?

    Word-DateiUnterrichtseinheit Onlinemobbing für die Kl. 6-10 in den Fächern Deutsch, Englisch, Ethik oder Religion; Dauer: 1-2 USt.

    Methoden für die pädagogische Praxis z. B. die Mexikanische Welle, eine Übung zur Empathiesteigerung

    Sie möchten Ihre Kenntnisse vertiefen?

    Materialien und Orientierungshilfen auf dem Hessischen Bildungsserver        

    Cybermobbing

    Mobbing
     
    Fortbildung
     Handys und Gewalt
    Handys und Gewalt
         

     

    Für Eilige
    pdf-DateiDie Broschüre "Onlinemobbing" (pdf, 24 Seiten) des Infocafes Neu-Isenburg, einer medienpädagogischen Einrichtung der Stadt Neu-Isenburg, enthält neben allgemeinen Hinweisen zum Thema vor allem Tipps für Dritte, die einem Mobbingopfer gerne helfen möchten (geeignete Gesprächsmethoden, anschauliche Ablaufdiagramme für Handlungsmöglichkeiten).

    pdf-DateiDen Leitfaden "Social Media" (pdf, 24 Seiten) haben die drei Lehrerverbände in Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeinsam erarbeitet. Darin fordern sie unter anderem, dass öffentliche Arbeitgeber Lehrpersonen bei Internet-Attacken schützen.

     

    Sie suchen Ansprechpartner?

    Gewaltprävention und Demokratielernen (GuD) Das HKM-Projekt bietet Fortbildung, Beratung und Materialien zum Download an.

     

    Netzwerk gegen Gewalt Das Netzwerk gegen Gewalt ist die Gewaltpräventionsinitiative der Hessischen Landesregierung und wird von der Hessischen Staatskanzlei, dem Hessischen Ministerium des Innern und für Sport, dem Hessischen Kultusministerium, dem Hessischen Sozialministerium, dem Hessischen Ministerium der Justiz, für Integration und Europa sowie dem Landespräventionsrat Hessen getragen.

     

    Hessische Polizei: AGGASAGGASDie Arbeitsgruppe Gewalttäter an Schulen (AGGAS) ist eine polizeiliche Einheit, die in allen vier Landkreisen des Polizeipräsidiums Mittelhessen eingerichtet ist. Ein besonderer Schwerpunkt wird hierbei auch auf Straftaten und Missstände in Schulen gelegt, an denen Jugendliche oder Kinder als Tatverdächtige oder Opfer beteiligt sind.

     

    Schmuckbild Digitale HeldenDie digitalen Helden aus Frankfurt a. M. verfügen über umfangreiche Erfahrung aus (Jugend-) Pädagogik, Wirtschaft und Universitätslehre. Sie möchten, dass Schülerinnen und Schule Ihre Schule mitgestalten und ihr Internetwissen teilen? Dann nehmen Sie Kontakt mit den digitalen Helden auf.

  • Lehrerinfos